Donnerstag, 27. Juni 2013

Hochschulen Fulda und Kassel gründen Forschungsverbund zu Fragen des Sozialrechts und der Sozialpolitik

Die Universität Kassel und die Hochschule Fulda haben einen gemeinsamen Forschungsverbund zu Fragen des Sozialrechts und der Sozialpolitik gegründet. Der Verbund vertieft die Kooperation der beiden hessischen Hochschulen. Die Präsidenten der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Karim Khakzar, und der Universität Kassel, Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, unterzeichneten am Mittwoch, 26. Juni 2013, im Elisabeth-Selbert-Saal des Bundessozialgerichts eine entsprechende Vereinbarung. Der Verbund fördert die gemeinsame Forschung zu Aspekten des Sozialrechts und der Sozialpolitik sowie die gemeinsame Lehre, die Nachwuchsförderung und den Wissenstransfer auf diesem Gebiet.

"Die Forschung hat inzwischen auch an Fachhochschulen einen hohen Stellenwert. Die Vernetzung mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Partnern aus der Praxis ist uns dabei außerordentlich wichtig", betonte der Fuldaer Hochschulpräsident Khakzar. "Seit Jahren praktizieren wir im Bereich der Lehre, der Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses eine sehr erfolgreiche Partnerschaft auf Augenhöhe mit der Universität Kassel. Ich freue mich, dass die gute Kooperation auf dem Gebiet der Sozialpolitik und des Sozialrechts durch den Forschungsverbund nun noch deutlich sichtbarer wird."

Der Kasseler Universitäts-Präsident Postlep ergänzte: "Herausragende sozialpolitiktheoretische und sozialrechtswissenschaftliche Forschung findet derzeit überwiegend an außeruniversitären Forschungseinrichtungen statt. Wenn, wie es gelegentlich mit Blick auf das Bundessozialgericht heißt, Kassel die 'Hauptstadt des Sozialrechts' ist, so wird dieses Profil nun durch den neuen Forschungsverbund, der sich aktuellen Zukunftsfragen der Sozialpolitik und des Sozialrechts widmen soll, in wissenschaftlicher Hinsicht erweitert."

Peter Masuch, Präsident des Bundessozialgerichts, bedauerte, dass in den beiden letzten Jahrzehnten das Interesse am Forschungsthema Sozialstaat bei den Sozialwissenschaftlern deutlich zurückgegangen sei, während weit über 1000 hauptamtliche Wissenschaftler die Wirtschaftspolitik begleiten. Dieses massive Ungleichgewicht sei nicht zu verantworten, wenn man sich vor Augen führe, dass gut ein Viertel unseres Bruttosozialprodukts innerhalb des Sozialstaats umverteilt werde. Auch die gewachsene Bedeutung der Sozialrechtsprechung rechtfertige eine Stärkung sozialrechtlicher Begleitforschung z.B. zu Fragen der Förderung von Frauenerwerbstätigkeit oder der Inklusion behinderter Menschen.

An der Hochschule Fulda und an der Universität Kassel lehren und forschen zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Bereichen Sozialrecht und Sozialpolitik. Zugleich sind im Regierungsbezirk Kassel viele Akteure der Sozialpolitik und des Sozialrechts mit landes- und bundesweiter Bedeutung vorzufinden. Die bemerkenswerte Dichte sozialrechtlich und sozialpolitisch interessierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Region sowie die Vielzahl der hier ansässigen Institutionen und Unternehmen mit einschlägigen Tätigkeitsfeldern führte dazu, die vorhandenen Interessen und Kompetenzen zu bündeln. Der Forschungsverbund der Hochschulen Kassel und Fulda wird sozialrechtlichen und sozialpolitischen Fragen mit rechtswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Kompetenz nachgehen. Zudem soll es eine enge Rückkoppelung mit den Akteuren der Sozialpolitik und des Sozialrechts geben. Beides stellt in der Forschungslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal dar. Zu diesem Zweck hat sich bereits flankierend ein Verein gegründet, in dem Vertreter u.a. aus Wissenschaft, Kirche, Justiz, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden Mitglieder sind. Er soll den Forschungsverbund fördern und den Wissenstransfer unterstützen.

Am Forschungsverbund für Sozialrecht und Sozialpolitik (FoSS) beteiligen sich von Seiten der Universität Kassel insbesondere die Fachbereiche Humanwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, von Seiten der Hochschule Fulda die Fachbereiche Pflege und Gesundheit, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie Sozialwesen. Die fachliche Arbeit erfolgt in acht nach Sach- und Querschnittsthemen gegliederten Gruppen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von beiden Hochschulen und aus verschiedenen Disziplinen vertreten sind. Sie bearbeiten die Felder: Arbeitsleben und Existenzsicherung (einschließlich Altersvorsorge und Rente); Kindheit, Jugend und Familie; Gesundheit und Pflege; Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe; Teilhabeforschung; Soziale Menschenrechte; Wohlfahrtsstaatliche Infrastruktur und Leistungserbringung sowie Gender und Migration. Die Gruppen agieren jeweils auf den vier Feldern Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung und Wissenstransfer. Die Bandbreite reicht dabei von einer vergleichenden Untersuchung der Lebenswelten von Kindern in Fulda und Kassel über eine Vorlesungsreihe "Sozialrecht und Sozialpolitik in Rechtsprechung und Wissenschaft" in Zusammenarbeit mit dem Bundessozialgericht bis hin zum Austausch zwischen Wissenschaftlern und Gewerkschaftern etwa zur Zukunft der Altersvorsorge. Die Vorlesungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Bundessozialgericht war zuvor bereits in anderem Rahmen organisiert worden und feierte am Mittwoch ihr zehnjähriges Jubiläum.

Schon bisher arbeiten die beiden Hochschulen eng zusammen, im Juli 2005 schlossen sie dafür eine Kooperationsvereinbarung. So gibt es die drei hochschulübergreifenden Masterstudiengänge "Pädagogik für Pflege- und Gesundheitsberufe", "Sozialrecht und Sozialwirtschaft" und "International Food Business & Consumer Studies", des Weiteren gemeinsame Forschungsprojekte, etwa im Rahmen des kürzlich ausgelaufenen Klimaanpassungsnetzwerks KLIMZUG-Nordhessen. Auch zum Forschungsthema Sozialrecht und Sozialpolitik gibt es bereits Kooperationen, die nun stärker formalisiert werden. Für Absolventen der Hochschule Fulda ist die Universität Kassel zudem Partnerin in kooperativen Promotionsverfahren.

PM 18/13 des BSG vom 27.06.2013

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